Verfasst am: Do 30.Sep 2004 14:05 Titel: Körperschmuck von Tattoos, Piercings, Brandings und Co /
Unter die Haut
Schlangen, keltische Zeichen oder der geliebte Name werden in der Haut verewigt. Auf dem Arm, auf Schulterblättern oder auch am ganzen Körper. Bunt oder Schwarz. Ringe werden durch den Bauchnabel gestochen, Zeichen in die Haut gebrannt. Tätowierungen, Piercings und Brandings sind der absolute Modetrend. Vorbei sind die Zeiten, als Tattoos und Co als Markenzeichen von Seefahrern, Knastbrüdern, Motorradrockern oder Punks verpönt waren. Subkultur - das war mal. Allein mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland haben ein Tattoo. Ewiger Körperschmuck - das gab es schon zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte. Ob als Zeichen ethnischer oder sozialer Zugehörigkeit, als religiöses Ritual, als Schönheitsmal, oder als Kunst am Körper. Exotisch, faszinierend oder anstößig.
Die Tätowierung
Schon Ötzi…...
Tätowierungen zählen zu der ältesten Form des Körperschmucks.
Man findet sie in fast allen Kulturen auf der Welt in unterschiedlichsten Ausprägungen, Formen, Symbolen, Farben und mit unterschiedlichen Funktionen.
Und auch Ötzi ist tätowiert. Insgesamt 47 Tätowierungen hat man auf dem Steinzeitmenschen gefunden, darunter ein Kreuz auf der Innenseite des linken Knies. Über die Bedeutung dieser Tätowierung kann allerdings nur spekuliert werden - der gängigsten Theorie zur Folge handelt es sich um magisch-medizinische Körpermarkierungen zur Schmerzlinderung.
Omai - der Pate des Tattoo aus der Südsee
Das Wort "Tätowieren" kommt von dem polynesischen Wort "Tatau", was wörtlich heißt "richtig schlagen". Bezeichnet wurde damit das Einritzen von Mustern in die Haut (mit Nadeln oder geritzten Hämmerchen). Es war James Cook, der diese Bezeichnung aus Tahiti 1774 nach England brachte. Mit an Bord hatte er auch Omai, einen tätowierten Prinzen aus Tahiti, der auf seinen eigenen Wunsch hin mit nach England gekommen war. Obwohl er nicht der erste tätowierte Südseeinsulaner in Europa war, so war Omai doch der populärste und mit ihm wurde diese Form der Körperkunst in Europa auf breiter Ebene bekannt. Es kam zu einer regelrechten Wieder- und Neubelebung der Tätowierung. Aus dem Wort "Tatau" machten die Engländer "Tattoo", als Tataurierung oder Tätowierung wurde es bei uns in Deutschland bekannt. Der tätowierte Omai war eine Sensation: als lebendes Ausstellungsobjekt wurde er in England auf Empfängen, in wissenschaftlichen Zirkeln und auf Jahrmärkten neugierig bestaunt. Farbe auf dem Körper, die nicht abging… So staunte auch der Göttinger Physiker und Philosoph Georg Christoph Lichtenberg am 24. März 1775 in London nicht schlecht:
"Seine Hände sind mit blauen Flecken bedeckt; um die Finger der rechten Hand gehen sie in Ringen herum. (..) Es war mir nicht unangenehm, meine rechte Hand in einer anderen zu sehen, die gerade vom entgegengesetzten Ende der Erde kam."
Mit einer Mischung aus Forscherdrang, Sensationslust und Neugier widmete sich vor allem die höfische Gesellschaft in England und Frankreich diesen "edlen Wilden aus der Südsee". Die Phantasie wurde mächtig beflügelt - Romane, Theaterstücke und andere Veröffentlichungen folgten und machten das Tätowieren regelrecht "hoffähig".
Schaubudentätowierte: "edle Wilde", Runaways und tätowierte Weibsbilder
Auch wenn die Tätowierungen das wissenschaftliche Interesse der höheren Gesellschaft geweckt hatten, Tätowierte blieben in der Subkultur der damaligen Zeit verhaftet. Tätowierte wurden als Kuriositäten in den Schaubuden der Jahrmärkte neben Schlangenmenschen, bärtigen Damen und Zauberkünstlern zur Schau gestellt. Im 19. Jahrhundert waren es dann nicht mehr die "edlen Wilden" selbst, die ihre Tätowierungen auf den Jahrmärkten zur Schau stellten, sondern Europäer, die es auf die Südseeinseln verschlagen hatte. Diese sogenannten "runaways" oder auch "beachcombers" (die an den Strand gespülten) waren vor allem Matrosen, die den unmenschlichen Bedingungen auf den Schiffen entflohen waren. Einer der bekanntesten "runaways" war der Franzose Jean Baptiste Cabris, der mehrere Jahre auf der Südseeinsel Nukaiva gelebt hatte und 1804 nach seiner Rückkehr über die Jahrmärkte Europas zog. Tätowierte zur Schau stellen wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum regelrechten Boom. Und da genügte es bald nicht mehr, nur die Herren der Schöpfung und ihre Tattoos zu bestaunen. Die Sensationsgier brauchte Nachschub. Das zog die Damen der Schöpfung auf den Plan. Sie würzten die Exotik der Tattoos mit einem Schuss Erotik. Die erste tätowierte Frau, die das Publikum begeisterte, war La belle Irene, mit bürgerlichem Namen Irene Woodward…Auch in Deutschland erfreuten sich Schaubudentätowierte einer schaurig-exotischen Beliebtheit. Vor allem Celly d'Astra erstaunte mit ihren 165 tätowierten Bildern auf dem Körper. Bald aber riefen die tätowierten Damen die Sittenwächter auf den Plan. Dem tätowierten Treiben der Damen wurde in Deutschland 1911 mit dem "Verbot vollständig tätowierter Damen" ein Ende gesetzt - die bürgerliche Gesellschaft fühlte sich von allzu viel Nacktheit und Verruchtheit bedroht. 1932 wurde mit dem "Brachtschen Erlaß" endgültig das öffentliche Auftreten und Zurschaustellen von Tätowierten allgemein verboten.
Tattoo Ahoi
Tattoos - das sind auch die Pinups auf muskulösen, von Wind und Wasser gegerbten Seemannsarmen. Die Seemannstätowierung hat ihren Ursprung ebenfalls in der Südsee. Viele Matrosen brachten sich von ihren Expeditionen in die Südsee ein Tattoo mit und begannen eine Tradition, die bis heute anhält. Auf vielen Schiffen wurde es üblich, einen eigenen Tätowierer an Bord zu haben. Waren die Motive anfangs stark von der polynesischen Symbolik geprägt, so surrten die Tätowiermaschinen in den Häfen von Hongkong, Singapur, New York oder Hamburg später den Namen der geliebten Daheimgebliebenen und andere Symbole der Sehnsucht nach der Heimat. Kreuz, Segelschiff, Anker und Schlange - das sind bis heute typische Motive. Das Tattoo wurde zum "Erkennungszeichen" der Seeleute.
Nicht nur die "edlen Wilden" und Matrosen…
Im frühen Christentum waren Tätowierungen ebenfalls verbreitet. So soll Apostel Paulus tätowiert gewesen sein, wie es aus dem Galaterbrief zu schließen sein könnte: "Hinfort mache mir niemand weiter Mühe, denn ich trage die Malzeichen des Herrn Jesu an meinem Leibe". Allerdings schien im Alten Testament das Tätowieren verboten gewesen zu sein. So heißt es im mosaischen Gesetz: "Ihr sollt keine Male um eines Toten willen an euch reißen, noch Buchstaben an euch ätzen, denn ich bin der Herr," und "Sie sollen auch keine Platte machen auf ihrem Haupt und an ihrem Leib kein Mal stechen". Dennoch: Viele Christen im Römischen Reich ließen sich als Zeichen ihres Glaubens die Initialen Christi "X" bzw. "I.N." (Jesus Nazarenus) oder ein Lamm, Kreuz oder Fisch als Symbole des Christentum eintätowieren. Diese Praxis ist übrigens heute noch bei den Kopten in Ägypten verbreitet. Hier wird das koptische Kreuz auf das Handgelenk tätowiert. Es ist umstritten, ob es sich bei den Frühchristen im Ursprung zunächst um eine Brandmarkung, also eine Stigmatisierung gehandelt hat, mit denen die römische Staatsmacht die Frühchristen als Ketzer brandmarkte, um sie aus der Gesellschaft auszuschließen. In jedem Fall aber wurde die Brandmarkung statt als Stigma von den Christen als positives Zugehörigkeitsmerkmal umdefiniert. Das eintätowierte christliche Symbol diente vor allem in der Zeit der frühchristlichen Diaspora als Zeichen der Gemeinsamkeit.
Kreuzrittertätowierung
Auch unter den Kreuzrittern war es üblich, sich christliche Symbole eintätowieren zu lassen. Das hatte vor allem den Grund, sich im Falle eines gewaltsamen Todes als Christ erkenntlich zu zeigen um ein christliches Begräbnis zu erhalten. Üblich wurde es auch, dass sich die Pilger anlässlich ihrer Wallfahrt nach Jerusalem tätowieren ließen. Eine Sitte, die bis zum Ersten Weltkrieg anhielt. Prominentes Beispiel war König Edward VII., der sich 1862 in Jerusalem ein Kreuz auf den Arm tätowieren ließ. Dies löste in der englischen High-Society des 19. Jahrhunderts einen entsprechenden Boom aus. Englische Herzöge und Herzoginnen ließen sich nun tätowieren - natürlich nicht in den Hafenkneipen. Es gab bereits "qualifizierte" Tätowierer, darunter auch Tom Riley, der Cousin des Erfinders der elektrischen Tätowiermaschine, Samuel O'Reilly. Auch der Herzog von Clarence und der Herzog von York, der spätere König George V., ließen sich auf einer Reise nach Japan tätowieren. Das hatte den Effekt, dass das Tätowieren (in der japanischen Oberschicht verpönt) in Japan ebenfalls wieder hoffähig wurde.
Tattoo unter dem Hakenkreuz
Im Dritten Reich wurde das Tätowieren mit der Begründung verboten, es widerspreche einem gesunden Volksempfinden. Dennoch surrten die Tätowiermaschinen weiter, z.B. in der legendären Tätowierstube von Christian Warlich, dem Tattoo-Papst von Hamburg. Während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft fand die Tätowierung einen grausamen und menschenverachtenden "Höhepunkt" in Form der tätowierten Häftlingsnummern. Aber nicht nur jüdische Mitbürger wurden mit diesen Tätowierungen gebrandmarkt, es gab auch für andere auszuschließende Menschen jeweils Symbole, die tätowiert wurden, z.B. für Homosexuelle, Bibelforscher, Emigranten etc.
Was passiert beim Tätowieren?
Der Tätowierer arbeitet mit einer Stechmaschine (Tätowiermaschine), in die eine oder mehrere Nadeln eingesetzt werden. Zum Zeichnen der Konturen verwendet man nur eine Nadel mit einem Durchmesser von 0,2 bis 0,4mm. Zum Stechen von Flächen benutzt man ein Nadelbündel. Mit einer Geschwindigkeit von 800 bis ca. 2400 Stichen pro Minute wird Farbe in die Haut gestochen. Die Nadel wird vor dem Tätowiervorgang in die Farbe getunkt, so dass sie die Farbe annimmt und dann ca. 1 bis 1,55 mm tief in die Haut gestochen. Wird die Farbe zu tief gestochen, dann verschwimmt sie unter der Haut und die Haut vernarbt. Wird zu flach gestochen, werden die Farbpigmente teilweise mit den verhornten Zellen der Hornschicht abgetragen. Das Tattoo verblasst dann.
Wo genau in der Haut landet die Farbe?
Vereinfacht dargestellt besteht die Haut aus drei Schichten: die Oberhaut (Epidermis), die Lederhaut (Corium) und das Unterhautzellgewebe (Subcutis).
In der zweiten Schicht, der Lederhaut, befinden sich die Papillarkörper, in denen Farbpigmente dauerhaft eingekapselt werden können. Und in diese Lederhaut wird die Farbe gestochen. Das Unterhautzellgewebe darf beim Tätowieren nicht verletzt werden, da hier die Blutgefäße liegen. Das Verletzen der Gefäße würde zudem ein Verwischen der Farbe bewirken. Bei sogenannten Bio- oder Temporarytattoos wird die Farbe nur in die dünne, tote Schicht über der Körnerschicht in die Oberhaut gestochen. Da diese Schicht nach einiger Zeit nach außen als Hornschicht abgestoßen wird, geht man davon aus, dass die Farbe ebenfalls verschwindet. Da die gesamte Oberhaut aber nur 0,04 bis 0,2mm dick ist, ist es schwer, diese Hautschicht auch genau zu treffen. Meistens gelangt die Nadel doch tiefer und die Tattoos sind dauerhaft in der Haut.
Vor dem Tattoo…
Tattoos are forever. Daher sollte man sich sehr genau im Vorfeld darüber im Klaren sein, ob man das Tattoo auch wirklich als Lebensbegleiter möchte. Das heißt, man sollte sich auch viel Zeit bei der Auswahl der Motivs lassen und sich genau überlegen, an welcher Körperstelle man es haben möchte. Manche suchen sich bewusst eine verdeckte Körperstelle aus, andere wollen es an einer deutlich sichtbaren Stelle tragen. Zu beachten ist auch, dass das Motiv auch zu der entsprechenden Körperstelle "passen" muss. Bedenken sollte man z.B., dass ein Bild beim angewinkelten Arm anders aussieht, als beim ausgestreckten. Ausführliche Vorgespräche mit einem professionellen Tätowierer sollten in jedem Fall geführt werden. Der Winter ist übrigens die bessere Jahreszeit, um sich Tätowieren zu lassen, denn ein Tattoo braucht eine nachhaltige und gewissenhafte Pflege. Ein zu intensives Sonnenbad oder auch ein Bad können die frisch gestochene Haut deutlich schädigen und Infektionen verursachen.
Hygiene ist das A und O
Schlangen, keltische Zeichen oder der geliebte Name werden in der Haut verewigt. Auf dem Arm, auf Schulterblättern oder auch am ganzen Körper. Bunt oder Schwarz. Ringe werden durch den Bauchnabel gestochen, Zeichen in die Haut gebrannt. Tätowierungen, Piercings und Brandings sind der absolute Modetrend. Vorbei sind die Zeiten, als Tattoos und Co als Markenzeichen von Seefahrern, Knastbrüdern, Motorradrockern oder Punks verpönt waren. Subkultur - das war mal. Allein mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland haben ein Tattoo. Ewiger Körperschmuck - das gab es schon zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte. Ob als Zeichen ethnischer oder sozialer Zugehörigkeit, als religiöses Ritual, als Schönheitsmal, oder als Kunst am Körper. Exotisch, faszinierend oder anstößig.
Die Tätowierung
Schon Ötzi...…
Tätowierungen zählen zu der ältesten Form des Körperschmucks.
Man findet sie in fast allen Kulturen auf der Welt in unterschiedlichsten Ausprägungen, Formen, Symbolen, Farben und mit unterschiedlichen Funktionen.
Und auch Ötzi ist tätowiert. Insgesamt 47 Tätowierungen hat man auf dem Steinzeitmenschen gefunden, darunter ein Kreuz auf der Innenseite des linken Knies. Über die Bedeutung dieser Tätowierung kann allerdings nur spekuliert werden - der gängigsten Theorie zur Folge handelt es sich um magisch-medizinische Körpermarkierungen zur Schmerzlinderung.
Omai - der Pate des Tattoo aus der Südsee
Das Wort "Tätowieren" kommt von dem polynesischen Wort "Tatau", was wörtlich heißt "richtig schlagen". Bezeichnet wurde damit das Einritzen von Mustern in die Haut (mit Nadeln oder geritzten Hämmerchen). Es war James Cook, der diese Bezeichnung aus Tahiti 1774 nach England brachte. Mit an Bord hatte er auch Omai, einen tätowierten Prinzen aus Tahiti, der auf seinen eigenen Wunsch hin mit nach England gekommen war. Obwohl er nicht der erste tätowierte Südseeinsulaner in Europa war, so war Omai doch der populärste und mit ihm wurde diese Form der Körperkunst in Europa auf breiter Ebene bekannt. Es kam zu einer regelrechten Wieder- und Neubelebung der Tätowierung. Aus dem Wort "Tatau" machten die Engländer "Tattoo", als Tataurierung oder Tätowierung wurde es bei uns in Deutschland bekannt. Der tätowierte Omai war eine Sensation: als lebendes Ausstellungsobjekt wurde er in England auf Empfängen, in wissenschaftlichen Zirkeln und auf Jahrmärkten neugierig bestaunt. Farbe auf dem Körper, die nicht abging… So staunte auch der Göttinger Physiker und Philosoph Georg Christoph Lichtenberg am 24. März 1775 in London nicht schlecht:
"Seine Hände sind mit blauen Flecken bedeckt; um die Finger der rechten Hand gehen sie in Ringen herum. (..) Es war mir nicht unangenehm, meine rechte Hand in einer anderen zu sehen, die gerade vom entgegengesetzten Ende der Erde kam."
Mit einer Mischung aus Forscherdrang, Sensationslust und Neugier widmete sich vor allem die höfische Gesellschaft in England und Frankreich diesen "edlen Wilden aus der Südsee". Die Phantasie wurde mächtig beflügelt - Romane, Theaterstücke und andere Veröffentlichungen folgten und machten das Tätowieren regelrecht "hoffähig".
Schaubudentätowierte: "edle Wilde", Runaways und tätowierte Weibsbilder
Auch wenn die Tätowierungen das wissenschaftliche Interesse der höheren Gesellschaft geweckt hatten, Tätowierte blieben in der Subkultur der damaligen Zeit verhaftet. Tätowierte wurden als Kuriositäten in den Schaubuden der Jahrmärkte neben Schlangenmenschen, bärtigen Damen und Zauberkünstlern zur Schau gestellt. Im 19. Jahrhundert waren es dann nicht mehr die "edlen Wilden" selbst, die ihre Tätowierungen auf den Jahrmärkten zur Schau stellten, sondern Europäer, die es auf die Südseeinseln verschlagen hatte. Diese sogenannten "runaways" oder auch "beachcombers" (die an den Strand gespülten) waren vor allem Matrosen, die den unmenschlichen Bedingungen auf den Schiffen entflohen waren. Einer der bekanntesten "runaways" war der Franzose Jean Baptiste Cabris, der mehrere Jahre auf der Südseeinsel Nukaiva gelebt hatte und 1804 nach seiner Rückkehr über die Jahrmärkte Europas zog. Tätowierte zur Schau stellen wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum regelrechten Boom. Und da genügte es bald nicht mehr, nur die Herren der Schöpfung und ihre Tattoos zu bestaunen. Die Sensationsgier brauchte Nachschub. Das zog die Damen der Schöpfung auf den Plan. Sie würzten die Exotik der Tattoos mit einem Schuss Erotik. Die erste tätowierte Frau, die das Publikum begeisterte, war La belle Irene, mit bürgerlichem Namen Irene Woodward…Auch in Deutschland erfreuten sich Schaubudentätowierte einer schaurig-exotischen Beliebtheit. Vor allem Celly d'Astra erstaunte mit ihren 165 tätowierten Bildern auf dem Körper. Bald aber riefen die tätowierten Damen die Sittenwächter auf den Plan. Dem tätowierten Treiben der Damen wurde in Deutschland 1911 mit dem "Verbot vollständig tätowierter Damen" ein Ende gesetzt - die bürgerliche Gesellschaft fühlte sich von allzu viel Nacktheit und Verruchtheit bedroht. 1932 wurde mit dem "Brachtschen Erlaß" endgültig das öffentliche Auftreten und Zurschaustellen von Tätowierten allgemein verboten.
Tattoo Ahoi
Tattoos - das sind auch die Pinups auf muskulösen, von Wind und Wasser gegerbten Seemannsarmen. Die Seemannstätowierung hat ihren Ursprung ebenfalls in der Südsee. Viele Matrosen brachten sich von ihren Expeditionen in die Südsee ein Tattoo mit und begannen eine Tradition, die bis heute anhält. Auf vielen Schiffen wurde es üblich, einen eigenen Tätowierer an Bord zu haben. Waren die Motive anfangs stark von der polynesischen Symbolik geprägt, so surrten die Tätowiermaschinen in den Häfen von Hongkong, Singapur, New York oder Hamburg später den Namen der geliebten Daheimgebliebenen und andere Symbole der Sehnsucht nach der Heimat. Kreuz, Segelschiff, Anker und Schlange - das sind bis heute typische Motive. Das Tattoo wurde zum "Erkennungszeichen" der Seeleute.
Nicht nur die "edlen Wilden" und Matrosen
…
Im frühen Christentum waren Tätowierungen ebenfalls verbreitet. So soll Apostel Paulus tätowiert gewesen sein, wie es aus dem Galaterbrief zu schließen sein könnte: "Hinfort mache mir niemand weiter Mühe, denn ich trage die Malzeichen des Herrn Jesu an meinem Leibe". Allerdings schien im Alten Testament das Tätowieren verboten gewesen zu sein. So heißt es im mosaischen Gesetz: "Ihr sollt keine Male um eines Toten willen an euch reißen, noch Buchstaben an euch ätzen, denn ich bin der Herr," und "Sie sollen auch keine Platte machen auf ihrem Haupt und an ihrem Leib kein Mal stechen". Dennoch: Viele Christen im Römischen Reich ließen sich als Zeichen ihres Glaubens die Initialen Christi "X" bzw. "I.N." (Jesus Nazarenus) oder ein Lamm, Kreuz oder Fisch als Symbole des Christentum eintätowieren. Diese Praxis ist übrigens heute noch bei den Kopten in Ägypten verbreitet. Hier wird das koptische Kreuz auf das Handgelenk tätowiert. Es ist umstritten, ob es sich bei den Frühchristen im Ursprung zunächst um eine Brandmarkung, also eine Stigmatisierung gehandelt hat, mit denen die römische Staatsmacht die Frühchristen als Ketzer brandmarkte, um sie aus der Gesellschaft auszuschließen. In jedem Fall aber wurde die Brandmarkung statt als Stigma von den Christen als positives Zugehörigkeitsmerkmal umdefiniert. Das eintätowierte christliche Symbol diente vor allem in der Zeit der frühchristlichen Diaspora als Zeichen der Gemeinsamkeit.
Kreuzrittertätowierung
Auch unter den Kreuzrittern war es üblich, sich christliche Symbole eintätowieren zu lassen. Das hatte vor allem den Grund, sich im Falle eines gewaltsamen Todes als Christ erkenntlich zu zeigen um ein christliches Begräbnis zu erhalten. Üblich wurde es auch, dass sich die Pilger anlässlich ihrer Wallfahrt nach Jerusalem tätowieren ließen. Eine Sitte, die bis zum Ersten Weltkrieg anhielt. Prominentes Beispiel war König Edward VII., der sich 1862 in Jerusalem ein Kreuz auf den Arm tätowieren ließ. Dies löste in der englischen High-Society des 19. Jahrhunderts einen entsprechenden Boom aus. Englische Herzöge und Herzoginnen ließen sich nun tätowieren - natürlich nicht in den Hafenkneipen. Es gab bereits "qualifizierte" Tätowierer, darunter auch Tom Riley, der Cousin des Erfinders der elektrischen Tätowiermaschine, Samuel O'Reilly. Auch der Herzog von Clarence und der Herzog von York, der spätere König George V., ließen sich auf einer Reise nach Japan tätowieren. Das hatte den Effekt, dass das Tätowieren (in der japanischen Oberschicht verpönt) in Japan ebenfalls wieder hoffähig wurde.
Tattoo unter dem Hakenkreuz
Im Dritten Reich wurde das Tätowieren mit der Begründung verboten, es widerspreche einem gesunden Volksempfinden. Dennoch surrten die Tätowiermaschinen weiter, z.B. in der legendären Tätowierstube von Christian Warlich, dem Tattoo-Papst von Hamburg. Während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft fand die Tätowierung einen grausamen und menschenverachtenden "Höhepunkt" in Form der tätowierten Häftlingsnummern. Aber nicht nur jüdische Mitbürger wurden mit diesen Tätowierungen gebrandmarkt, es gab auch für andere auszuschließende Menschen jeweils Symbole, die tätowiert wurden, z.B. für Homosexuelle, Bibelforscher, Emigranten etc.
Was passiert beim Tätowieren?
Der Tätowierer arbeitet mit einer Stechmaschine (Tätowiermaschine), in die eine oder mehrere Nadeln eingesetzt werden. Zum Zeichnen der Konturen verwendet man nur eine Nadel mit einem Durchmesser von 0,2 bis 0,4mm. Zum Stechen von Flächen benutzt man ein Nadelbündel. Mit einer Geschwindigkeit von 800 bis ca. 2400 Stichen pro Minute wird Farbe in die Haut gestochen. Die Nadel wird vor dem Tätowiervorgang in die Farbe getunkt, so dass sie die Farbe annimmt und dann ca. 1 bis 1,55 mm tief in die Haut gestochen. Wird die Farbe zu tief gestochen, dann verschwimmt sie unter der Haut und die Haut vernarbt. Wird zu flach gestochen, werden die Farbpigmente teilweise mit den verhornten Zellen der Hornschicht abgetragen. Das Tattoo verblasst dann.
Wo genau in der Haut landet die Farbe?
Vereinfacht dargestellt besteht die Haut aus drei Schichten: die Oberhaut (Epidermis), die Lederhaut (Corium) und das Unterhautzellgewebe (Subcutis).
In der zweiten Schicht, der Lederhaut, befinden sich die Papillarkörper, in denen Farbpigmente dauerhaft eingekapselt werden können. Und in diese Lederhaut wird die Farbe gestochen. Das Unterhautzellgewebe darf beim Tätowieren nicht verletzt werden, da hier die Blutgefäße liegen. Das Verletzen der Gefäße würde zudem ein Verwischen der Farbe bewirken. Bei sogenannten Bio- oder Temporarytattoos wird die Farbe nur in die dünne, tote Schicht über der Körnerschicht in die Oberhaut gestochen. Da diese Schicht nach einiger Zeit nach außen als Hornschicht abgestoßen wird, geht man davon aus, dass die Farbe ebenfalls verschwindet. Da die gesamte Oberhaut aber nur 0,04 bis 0,2mm dick ist, ist es schwer, diese Hautschicht auch genau zu treffen. Meistens gelangt die Nadel doch tiefer und die Tattoos sind dauerhaft in der Haut.
Vor dem Tattoo…
Tattoos are forever. Daher sollte man sich sehr genau im Vorfeld darüber im Klaren sein, ob man das Tattoo auch wirklich als Lebensbegleiter möchte. Das heißt, man sollte sich auch viel Zeit bei der Auswahl der Motivs lassen und sich genau überlegen, an welcher Körperstelle man es haben möchte. Manche suchen sich bewusst eine verdeckte Körperstelle aus, andere wollen es an einer deutlich sichtbaren Stelle tragen. Zu beachten ist auch, dass das Motiv auch zu der entsprechenden Körperstelle "passen" muss. Bedenken sollte man z.B., dass ein Bild beim angewinkelten Arm anders aussieht, als beim ausgestreckten. Ausführliche Vorgespräche mit einem professionellen Tätowierer sollten in jedem Fall geführt werden. Der Winter ist übrigens die bessere Jahreszeit, um sich Tätowieren zu lassen, denn ein Tattoo braucht eine nachhaltige und gewissenhafte Pflege. Ein zu intensives Sonnenbad oder auch ein Bad können die frisch gestochene Haut deutlich schädigen und Infektionen verursachen.
Hygiene ist das A und O
Es ist absolut wichtig, in ein professionelles Tätowierstudio zu gehen, in dem nicht nur erfahrene Tätowierer arbeiten, sondern in dem vor allem auf Hygiene geachtet wird. Der Vorgang des Tätowierens ist ein medizinischer Eingriff. Da die Nadeln in die Haut schlagen, kommt es beim Tätowiervorgang immer zur Verletzung der Blut- und Lymphgefäße. Wenn die Nadeln nicht sterilisiert sind oder unsauber gearbeitet wird, kann es zu lokalen Infektionen kommen. Zudem besteht die Gefahr von Übertragungen chronischer Infektionen, wie Hepatitis, AIDS, Tuberkulose und Syphilis. Wegen möglicher Ansteckung darf deswegen übrigens bis ein Jahr nach dem Tätowieren kein Blut gespendet werden. Es kann auch zu allergischen Reaktionen auf bestimmte Farbbestandteile kommen sowie auf in manchen Farben enthaltene Schwermetallanteile. Die kritische Wirkung betrifft vor allem die Farben Rot und Gelb, wie auch der Ökotest 1998 (8/1998) belegt. Hier wurden 23 Gelb- und Rottöne getestet. Ökotest kam zu dem Ergebnis, dass nur eine Farbe "empfehlenswert" war, zwei erhielten "eingeschränkt empfehlenswert". Zudem enthielten 20 Farben Azo-Pigmente, die unter dem Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Seriöse Firmen bieten inzwischen allergie- und schadstoffgetestete Farben an. Da es aber bis heute keine verbindlichen Richtlinien für die Farben gibt, gibt es nach wie vor auch hierfür keine Garantie.
Nach dem Tattoo…
Das Tattoo ist mit seinen Millionen Nadelstichen zunächst eine richtige Wundfläche. Die Wundheilung kann bis zu 4 Wochen dauern. Daher ist es wichtig folgende Dinge zu beachten:
- Nach dem Stechen sollte der Verband bis 12 Stunden (auch über Nacht) draufgelassen werden.
- Nach dem Abnehmen des Verbandes sollte das Tattoo vorsichtig mit antibakterieller Seife und viel Wasser gewaschen werden. Achtung: Überreste der Farbe auf der Haut nicht mit Alkohol entfernen, das reizt und trocknet die Haut aus.
- In den ersten 5 Tagen sollte eine antibiotische Salbe aufgetragen werden, danach eine parfüm- und farbstofffreie Körperlotion zur Pflege des Tattoos (es sollte nicht austrocknen).
- Man sollte keine Heilsalbe verwenden, deren Wirkung darauf beruht Verunreinigungen aus dem Körper zu ziehen, denn dann würde die Farbe darunter leiden.
- Der Schorf, der sich nach ein paar Tagen bildet, darf auf keinen Fall abgekratzt werden. Nach ein- bis eineinhalb Wochen fällt der Schorf langsam ab.
- Im ersten Monat unbedingt auf Schwimmen, Sonnenbaden, Saunen und Baden verzichten.
- Nach dem Duschen die Stelle nur vorsichtig abtupfen, nicht rubbeln.
- Nach ca. 10 Tagen sollte sich das Tattoo "beruhigt" haben, sonst noch mal checken lassen!
Lebenslang?
Jeder Zehnte möchte im Laufe seines Lebens sein Tattoo wieder los werden. Aber das ist leichter gesagt als getan. Das Entfernen eines Tattoo ist teuer, langwierig, oft auch schmerzhaft und kann Narben hinterlassen.
Entfernung mit Laser
Die zur Zeit gängigste Methode ist die Entfernung des Tattoos durch eine Laserbehandlung. Meist sind bis zu 10 Sitzungen nötig. Die Farbpigmente in den Zellen werden mit einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt. Durch die Energie des Lasers wird die chemische Struktur der Farbstoffe so geändert, dass sie in Einzelkomponenten zerfallen und vom Körper abgetragen werden können. Zum Teil muss mit unterschiedlichen Lasertypen gearbeitet werden, da nicht jeder Laser für jede Farbe geeignet ist. Es kann dabei auch zu nicht mehr korrigierbaren Farbumschlägen mit einer Dunkelfärbung kommen.
Diathermie (Erhitzung der Hautzellen)
Bei dieser Methode wird die Zellflüssigkeit in den tätowierten Hautzellen mit Hochfrequenzstrahlen erhitzt, die dadurch absterben. Die Farbpigmente werden mit der abgestorbenen Haut komplett abgestoßen, wenn die gesunde Haut darunter nachwächst. Schicht für Schicht wird diese Prozedur wiederholt. Die umliegende Haut bleibt dabei unbeschädigt, Narbenbildung ist selten.
Dermabrasion (Hauthobeln)
Hierbei wird die Haut abgehobelt. Es können dabei jedoch hässliche Narben und auch dunkle Schatten der durchscheinenden Überreste des Tattoos bleiben.
Ausschneiden/Stanzen/Nähen/Deckung mit Hauttransplantat
Die betreffende Hautschicht wird in einem operativen Eingriff ausgeschnitten oder ausgestanzt (je nach Größe) und entweder zugenäht (bei kleineren Tattoos) oder aber mit einem Hauttransplantat versehen. Bei der Hauttransplantation muss die Stelle über viele Monate hinweg durch Druckverbände versorgt werden, um einer Narbenbildung entgegenzuwirken. Diese Methode ist langwierig und schmerzhaft. Wenn genäht wird, bleibt in der Regel eine Narbe.
Cover up
Natürlich kann man sein Tattoo auch mit einer Übertätowierung verändern.
Alternativen
Wer sich nicht sicher ist, ob ein Tattoo auch wirklich das Richtige ist, der kann es ja auch erst einmal mit Tattoo-light versuchen:
Henna-Tattoo: Schon seit Jahrtausenden benutzen Menschen Henna (ägyptischer Färberstrauch, gehört zu der Familie der Wiederichgewächse), um ihren Körper zu verzieren. Vor allem in Indien und in vielen arabischen Ländern wird Henna zu rituellen Anlässen (Hochzeit), als Zeichen religiöser Zugehörigkeit oder einfach zum Schmuck aufgetragen. Die Hennapaste wird mit Wasser angerührt und dann auf die Haut aufgetragen. Mit Zitrone eingerieben, wird der Farbstoff noch intensiver. Die Hennafarbe bleibt je nach Hennasorte bis zu 3 Wochen auf der Haut. Auch hier kann es allergische Reaktionen geben, da manche Hennapulver mit chemischen Zusätzen versehen sind. Vor allem bei schwarzem Henna werden schwarze Farbpigmente hinzugefügt, häufig das p-Phenylendiamin (PPD), eine Substanz, die starke allergische Reaktionen hervorrufen kann. Also auch Henna vorher checken - z.B. auf dem Handgelenk.
Tattoo-Stifte/Aufkleber: Spezielle Malstifte, die nach 1 bis 2 Tagen verblassen.
Sun-Tattoos: Eignen sich nur für den Sommer oder die Sonnenbank. Hierbei wird während der Sonneneinstrahlung eine Schablone auf die Haut gelegt.
Das Piercing
Auch das Piercing (engl. "to pierce = durchstechen") ist eine der ältesten Formen des Körperschmuckes überhaupt. Ähnlich wie beim Tätowieren war auch das Piercing Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit oder einem bestimmten gesellschaftlichen Status. So trugen beispielsweise die Azteken Ohrpflöcke als Zeichen eines hohen sozialen Status. Holz-, Knochen- oder Metallpiercings stehen in Afrika dafür, ob jemand verheiratet ist. Besonders bekannt, da auffällig, ist das Piercen der Unterlippe (Tellerlippe) bei einigen Stämmen in Äthiopien oder Alaska. Im alten Ägypten soll ein Bauchnabelpiercing Ausdruck von Reichtum und Wohlstand gewesen sein. Oft standen hinter diesen Piercings auch religiös-mystische Vorstellung, z.B. die mystische Abwehr gegen das Böse. In Indien wird durch das Piercen von Zunge, Wangen oder dem Penis in einem Tranceakt besondere Askese und Verbundenheit mit dem Göttlichen symbolisiert. Bei den Mandan (Indianer) wurden männliche Initiationsriten durch zum Teil recht schmerzhafte Piercings begangen. So wurden z.B. Pflöcke in Rücken, Schulter, Brust, Arme und Beine gestoßen. Und im alten Rom wurden die Centurios verpflichtet, Brustwarzenringe als Ausdruck ihrer Männlichkeit zu tragen. Aber auch zur Befestigung ihrer Umhänge. Durchaus praktisch gedacht war auch der Hafada-Ring, der seitlich am Penis angebracht wird. Den soll übrigens Albert von Coburg, seines Zeichen Gatte der englischen Königin Viktoria, getragen haben, um seinen Penis an einem Hosenknopf zu befestigen…
Was gibt es für Piercings?
Ohren: Das ist wohl die auch bei uns verbreitetste und auch anerkannteste Form des Piercing. Üblich sind Piercings im Ohrläppchen, in der Knorpelzone oder als Stecker im Innenbereich des Ohrs.
Nase: Vor allem die "Hippies" der 60er Jahre brachten diese Form des Piercings, das v.a. in Indien verbreitet ist, mit nach Deutschland. Üblich ist das Piercen der Nasenflügel (Nostril) oder auch der Nasenscheidewand. Während der Heilungsphase sollte erst ein Ring angebracht werden, danach können Stifte/Stecker getragen werden.
Lippen/Zunge: Das Lippenpiercing ist v.a. in Afrika sehr verbreitet. Hierbei werden Scheiben, Korken, Stengel oder Pflöcke über und unter der Lippe oder auch im Mundwinkel fixiert. Heute wird meist ein Stecker verwendet (Labret). Das Zungenpiercing war u.a. bei den Mayas ein Zeichen der Ehrerbietung. Aufgrund der hohen Nervenkonzentration ist es nicht zu empfehlen, an den Seiten der Zunge zu stechen. Das Piercing sollte in die Mitte der Zunge platziert werden.
Augenbrauen/Nasenwurzel: Sie sind eine relativ neue Erscheinung. Hierzu wird in die Augenbraue gestochen, bzw. in die Hautfalte über dem Nasenbein (Bridge). Auch hier empfiehlt sich in der Abheilungsphase zunächst ein Ring.
Bauchnabel: Besonders hip in der Modeszene (sozusagen das Piercing für Einsteiger) und beliebt bei Jugendlichen, vor allem Frauen, ist das Bauchnabelpiercing. Der Bauchnabel muss tief genug liegen, um das Risiko des Abstoßens gering zu halten. Es kann waagerecht oder senkrecht gepierct werden.
Brustwarzen/Intimbereich: Ursprünglich aus der SM-Szene, haben sich Piercings an Brustwarzen und Intimpiercings aus dieser Ecke "emanzipiert" und gehören zum normalen Repertoire. Zudem sie ursprünglich zu der ältesten Form der Piercings gehören. Vor allem in Indien und bei den Inkas wurden Intimpiercings zur sexuellen Stimulanz gestochen. Diese Piercings haben neben ihrer optischen Wirkung v.a. eine sexuell-stimulierende Funktion. Nach dem Stechen eines Intimpiercings muss man in jedem Fall einige Wochen auf sexuellen Kontakt verzichten, damit es zu keinen unerwünschten Infektionen kommt.
Was passiert beim Piercen?
Wie auch für das Tätowieren gilt auch hier: Nur in einem professionellen Piercingstudio, in dem ausreichend auf Hygiene geachtet wird, stechen lassen. Auch das Piercen ist ein medizinischer Eingriff, denn es wird Körpergewebe durchstochen - und das muss entsprechend professionell durchgeführt werden. Es ist wichtig, mindestens 10 Stunden vor dem Piercen keine Medikamente, keinen Alkohol oder Drogen zu sich genommen zu haben. Nachdem die Hautstelle desinfiziert und mit einem Oberflächenanästhetikum betäubt worden ist, wird die Haut mit einer Kanüle durchstochen. Der innere Teil der Kanüle (die Nadel) wird herausgezogen. Zurück bleibt ein kleiner Schlauch, an dem das Schmuckstück befestigt wird. Beim Herausziehen des Schlauches wird das Schmuckstück mitgezogen. Dann sitzt es an der richtigen Stelle. Hautpartie und Schmuckstück werden nochmals desinfiziert. Meistens wird dann ein Wundverband angelegt.
Nach dem Piercen…
Wie auch beim Tattoo ist auch beim Piercing die Nachsorge wichtig. Hier ein paar Tipps:
- Direkt nach dem Piercen die gepiercte Stelle nur mit sauberen Händen berühren.
- Den Ring nie trocken drehen, sondern viel Wasser über die Stelle laufen lassen.
- In den ersten zwei Wochen sollte man wegen der Infektionsgefahr auf Baden, Sauna und Sonnenbaden verzichten.
- Vorsicht beim Sport: In den ersten Wochen Sportarten vermeiden, bei denen auf das Piercing Druck ausgeübt werden kann (z.B. Ballsportarten).
- Beim Zungenpiercing sollte man eine Woche auf das Rauchen sowie saure und keimbelastete Lebensmittel verzichten (z.B. Rohmilchprodukte).
- Während der Heilungsphase sollten Wunde und Schmuckstück mit antiseptischen Mitteln gereinigt werden.
- Vorsicht bei Gesichtspiercings, dass kein Make up in die Wunde kommt.
- Während der Heilungsphase sollten Schmuckstücke aus chirurgischem Stahl verwendet werden. Danach rostfreie Materialen, wie Palladium, Titan, Platin, Gold oder Niobium. Synthetische Materialien, wie z.B. Acryl, sollte man nur kurze Zeit verwenden.
- Verheilte Piercings können sich entzünden, wenn sie nicht ab und zu herausgenommen und Stichkanal und Schmuckstück mit klarem Wasser gereinigt werden.
Wo liegen die Risiken?
Beim Piercen wird die intakte Hautoberfläche verletzt. Wenn nicht steril oder mit Einmalmaterialien gearbeitet wird, kann es zu lokalen Infektionen und zur Übertragung von Krankheiten, wie Hepatitis oder AIDS kommen. Im Falle einer allergischen Empfindlichkeit gegenüber den verwendetet Materialien, kann es auch zu allergischen Reaktionen kommen. Vor allem nickel- oder kobalthaltige Materialien oder auch Silber können allergische Reaktionen auslösen. Je nach Art des Piercings dauert die Vernarbung des Stichkanals 6-8 Wochen. Die vollständige Heilung kann bis zu 9 Monate in Anspruch nehmen. Beim Piercen der Brustwarzen können durch Entzündungen oder Vernarbung die Milchgänge geschädigt werden. Vorsicht ist auch bei Mundpiercings geboten: sie können zu Schäden an den Zähnen, Gaumen und Zahnfleisch führen. Durch das Beißen auf die Schmuckstücke kann zudem der Zahnschmelz zerstört werden. Nervenschädigungen oder Lähmung der Zunge bis hin zu Behinderung der Luft- und Speiseröhre durch Anschwellung können ebenfalls auftreten. Solche Reaktionen können durch Herausnehmen des Piercings verhindert werden, oft aber bleiben irreparable Schäden.
Das Dehnen des Piercings
Immer häufiger werden Piercings auch gedehnt, das heißt die sie umgebende Haut wird mit einbezogen. Dazu gibt es mittlerweile eine große Bandbreite von Ringen, Plugs und Tunnels in allen möglichen Variationen und Materialien. Das Dehnen des Piercings dauert eine Zeit und ist eher etwas für Fortgeschrittene. Allerdings werden häufig auch operative Methoden angewandt, hierbei wird die Stelle mit einem Skalpell eingeschnitten und Schmuck bis zu 10mm Durchmesser direkt in die Wunde eingesetzt. Vor allem bei Ohrenpiercings und Labrets wird das immer häufiger gemacht. Vor dieser ziemlich "blutrünstigen" Methode sei gewarnt - es ist nur was für Hartgesottene und das medizinische Risiko ist durch die relative Größe der Wunde ziemlich hoch. Das langsame, schrittweise Dehnen - das sogenannte Aufdehnen ist die beliebteste Methode, da auch die schonendste. Und "langsam" heißt da die Devise, denn die gedehnte Haut kann auch schon mal einreißen. Mit dem Dehnen sollte man erst beginnen, wenn der Heilprozess des Piercens abgeschlossen ist und sich ein stabiles Narbengewebe gebildet hat.
Das Branding
Weitaus weniger verbreitet als Tattoos und Piercings ist das sogenannte Branding (engl. to brand = einbrennen, brandmarken, mit einem Brandmal versehen). Hierzu werden mit heißem Metall Schmucknarben in die Haut gebrannt. In vielen Kulturen der Welt (v.a. in Afrika und Amazonien) ist das Branding fester Bestandteil von Initiationsriten. Das Brandzeichen galt vor allem aber, mehr noch als das Tattoo, als Stigmatisierung. Als Zeichen des Ausgeschlossensein von der Gesellschaft oder als Zeichen der Unterwerfung. So wurden z.B. auch Sklaven gebrandmarkt, d.h. mit Brandzeichen markiert, oft trugen sie den Namen ihres Besitzers. Auch im Christentum spielte das Brandmal eine Rolle: Bei Paulus spielt das "Sklave Christi sein" eine große Rolle. Als Knechte Christi gehören wir nicht mehr uns selber, wir haben Jesus unser Leben gegeben, und nun leben wir nicht mehr unser Leben, sondern Christus lebt in uns (Galater 2,20). Das Brandzeichen Christi zu tragen heißt, sich ihm ausgeliefert zu haben, erkauft zu sein mit seinem Blute und nicht mehr sich selber zu gehören, sondern für Gott zu leben. Fakir Musafar, einer der Gauntlet-Pioniere, bezeichnete Branding einmal als »Kiss of Fire«. Mehr noch als Tattoos oder Piercing hat Branding einen stark rituellen Charakter. So ist Branding z. B. eine Spielart in der SM-Szene und kann ein Zeichen völliger Hingabe an eine andere Person sein.
Es gibt verschiedene Brandtechniken, die sehr unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Das Metall muss die Hitze für eine bestimmte Zeit und in einer bestimmten Temperatur halten können, um eine ebenmäßige Linienführung zu garantieren. Die Hautflächenmüssen glatt und eben sein, um eine gleichmäßige Narbenbildung zu erzielen. Deshalb eignen sich nur bestimmte Stellen des Körpers für Brandings. Die Metallstreifen sollten nicht länger als 2,5 cm sein. Komplizierte Muster oder geschwungene Linienführungen sind nur schwer oder durch Kombination einzelner Streifen möglich (»Multi-Strike-Methode«). Metallstreifen aus Stahl werden für Linien und glatte Stahlnägel für Punkte verwandt. Die Narbenentwicklung ist bei jedem Menschen anders und kann nicht vorhergesagt werden. Keloide, d. h. wulstartige Narbenbildungen, entstehen eher auf dunkler Haut. In jedem Fall weitet sich das verbrannte Gewebe bei der anschließenden Narbenbildung und verändert entsprechend seine Form. Der Schmerz ist häufig nicht so stark wie erwartet, da der Körper auf die Verbrennung dritten Grades mit einer sofortigen Endorphinausschüttung reagiert.
Was ist beim Branding zu beachten? Bis zur Narbenbildung einige Wochen später muss das Branding gut gepflegt werden, um Infektionen zu vermeiden. Der sich nach einigen Tagen bildende Wundschorf darf nicht abgekratzt und sollte mit Wundsalbe eingecremt werden. Wie beim Piercing und Tätowieren sollten die Pflegeanweisungen des Branders beachtet werden. Wenn sich übermäßig Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung, Schmerz und Hitze einstellen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Um schwere Infektionen oder gravierende Verletzungen zu vermeiden, muss der Brander ein gewisses Maß an Erfahrung haben. Niemals selber oder im Rahmen sexueller Spielereien branden.
Permanent Make up
Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um "permanentes" Make up, also Make up, das lange hält. Permanent Make up wird v.a. angewandt bei Augenbrauen, Lidstrichen, Lippenkonturen, Narben-Korrekturen, Mamillen nach Brustoperationen. Ähnlich wie beim Tätowieren, werden Farbpigmente direkt in die Haut gestochen, allerdings nur in die Oberhaut. Das heißt auch, dass Permanent Make up nicht ein Leben lang hält, sondern je nach Farben/Anwendung ca. 2-5 Jahre. Meistens wird eine Oberflächenanästhetikum in Form einer Creme verwendet. Auch hier ist natürlich auf Professionalität und Hygiene zu achten, denn auch hier kann es zu den unter dem Punkt Tätowierungen angesprochenen Komplikationen kommen. Zudem kann ein verhuschter Lippenkonturstrich, einmal in die Haut gestochen, nicht mehr korrigiert werden. Experten raten daher, unbedingt auf eine Vorzeichnung der Kontur zu achten, die sowohl im Sitzen als auch im Liegen zu prüfen ist. Informationen gibt es auch beim Europäischen Fachverband für dauerhafte Schminkmethoden e.V. unter: 089 / 22 52 00.
Tattoo und Co für alle?
Menschen mit Diabetes, Infektionskrankheiten, Bluterkrankheit, Blutereignungskrankheiten und Menschen, die eine Thrombosebehandlung erhalten dürfen sich nicht tätowieren oder piercen lassen.
Wer zu allergischen Reaktionen neigt, sollte beim Tattoo in jedem Fall einen Allergietest mit der Farbe durchführen lassen, bzw. beim Piercing die Materialien prüfen. Allerdings kann es auch bei negativem Befund trotzdem während des Tätowierens zu einer Allergie kommen, wenn die Farbe in der Haut ist. Es kann dann auch zu einem dauerhaften Ekzem kommen. In diesem Fall kann es vorkommen, dass der Arzt die Haut, in der sich die Tätowierung befindet, entfernen muss.
Haftungsausschluss
Bei seriösen Tattoo- und Piercingstudios muss man vorher einen sogenannten Haftungsausschluss, bzw. eine Einverständniserklärung unterschreiben. Das schützt den Tätowierer/Piercer vor späteren Klagen und Schadensersatzforderungen. Rein rechtlich begeht er nämlich eine Körperverletzung, in die der Kunde einwilligen muss. Laut Gesetzgeber muss man volljährig sein, um sich tätowieren oder piercen zu lassen, oder aber eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorlegen. Seriöse Studios achten sehr genau darauf.
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